Mittwoch, 13. August 2014

Abschluss.

 

Erst einmal muss ich mich entschuldigen die ganzen letzten Wochen meines Aufenthaltes in Mankundu nichts geschrieben zu haben. Inzwischen bin ich wieder zu Hause, starre aus dem Fenster auf leere Straßen und wundere mich, warum die Autos auf der falschen Seite fahren. Am 4.8. habe ich planmäßig meine Heimreise angetreten. Meine letzten Wochen in Mankundu waren erwartungsgemäß sehr ereignisreich und deshalb gibt es hier noch einmal einen ausführlichen Bericht. Dies wird wohl mein letzter Eintrag in diesem Blog sein.
Das geplante Health Check Up in Lalkuthi lief wunderbar, d.h. dass ein Arzt ins Tutorial kam und ca. 70 Kinder kurz untersucht hat. Einige haben Medizin bekommen. Der Arzt hat uns, wie wir vorher auch schon einmal überlegt hatten, auch dringend empfohlen eine Wurmkur zu machen, da dies oft ein Problem für die Mangelernährung einiger Kinder ist. Daraufhin haben wir noch Medizin gekauft und verteilt, die die Würmer töten soll. Etwas später gab es dann auch noch ein Oral Check Up. Dafür ist also ein Zahnarzt nach Lalkuthi gekommen und hat die Kinder untersucht. Manche Kinder brauchten noch eine weitere Behandlung, weshalb wir sie noch zum Zahnarzt in die Praxis  gebracht haben. Einige haben Medizin bekommen und in den harten Fällen müssen die Eltern nochmal eigenständig mit ihren Kindern zum Zahnarzt gehen, um z.B. Zähne zu ziehen.
Nebenbei wurde noch am 28.7. vom SCI Westbengalen, welcher quasi Human Wave darstellt (es sind fast die gleichen Leute), der internationale World Hepatitis Day gefeiert. Dieser Tag gilt der Aufklärung über die Bedrohung und Gefährlichkeit von Hepatitis, einer global verbreiteten Krankheit. Dazu gab es in einer Grundschule in Mankundu eine kleine Veranstaltung, wo verschiedene Vorträge zu Hepatitis gehalten wurden. Auch Niels und ich haben unseren Beitrag geleistet und eine kleine Präsentation vorbereitet. Insgesamt kann die Veranstaltung als Erfolg verbucht werden, nur die Zuhörerschaft könnte noch ausgebaut werden. Dieses Jahr bestand sie aus den Human Wave Mitarbeitern und einigen älteren Schülern der Grundschule.
Wenn ich hier so sitze und diese Zeilen schreibe kommt mir das Ganze schon wieder so unglaublich fern vor, dabei ist es noch keinen Monat her. Während der letzten Woche in Mankundu haben wir zwar normal weitergearbeitet, bzw. alles zu Ende gebracht, aber gleichzeitig hatten wir vier Freiwilligen in unseren jeweiligen Projekten und im Office noch nette Abschiedsveranstaltungen. In Lalkuthi gab es ein buntes Programm aus Gesang, Gedichten und Tanz. Das war wirklich sehr schön. Die Verabschiedung im Office, die eigentlich bei uns in der Wohnung stattfand, war auch sehr rührend, so sind mir die Mitarbeiter doch teilweise sehr ans Herz gewachsen. Stets habe ich von allen Seiten Unterstützung erhalten, das war umwerfend. Am Ende haben wir dann noch die bengalischen Lieder zusammen gesungen, die wir auch gelernt haben. Das war ein schöner Abend. Viele Hauseinladungen hatten wir in den letzten Tagen, bei unserem Bengaliehrer, unserer Gesangslehrerin und einigen Mitarbeitern. Mit der Familie haben wir am Ende nochmal einen Ausflug zusammen nach Kolkata in eine Art Freizeitpark gemacht. Über das Jahr war es aus Zeitgründen oft schwierig gemeinsame Ausflüge zu organisieren. Schön, dass wir es noch einmal hinbekommen haben.
Am Montag den 4.8. sind wir dann alle vier gemeinsam über Dubai nach Frankfurt geflogen. Ich habe mir erst einmal sofort eine Grippe geholt und dadurch die erste Zeit im Bett verbracht. Es fühlt sich deshalb so an, als ob ich bisher keine Zeit hatte über meinen Freiwilligendienst nachzudenken und damit abzuschließen. Das Ankommen war wirklich seltsam. Wobei ich mir aber jetzt schon ganz sicher bin, ist, dass ich es auf jeden Fall wieder machen würde! So hatte ich doch keine größeren Probleme zu konfrontieren, habe mich in Arbeit und Umfeld sehr wohl gefühlt und bin stets auf eine Herzlichkeit gestoßen, die man so wohl kaum erwarten kann. Es war ein Jahr, was ich wohl nie vergessen werde und möchte.
Darum an dieser Stelle nochmal einen herzlichen Dank an alle, die diesen Freiwilligendienst ermöglicht haben!

Vielen Dank und auf das sich unsere Wege wohl bald wieder kreuzen!

Euer Hannes

Dienstag, 24. Juni 2014

Dies und Das!


Der letzte Eintrag ist jetzt wiedereinmal schon eine Weile her, sodass es mir gleich noch schwerer fällt, etwas zu schreiben. Entschuldigt! Ich versuch jetzt am Ball zu bleiben…

Die zwei Wochen Sommerferien im Tutorial sind wir übrigens in den Süden Indiens, nach Karnataka, gefahren und haben dort andere SCI Freiwillige in ihrem Projekt besucht. Es war echt auch interessant deren Projekte zu sehen, so eine Chance bekommt man wohl selten noch einmal. Wir haben die Zeit zusammen sehr genossen.
Seitdem sind aber auch schon wieder drei Wochen vergangen, in denen Einiges passiert ist. In Lalkuthi gab es erneut eine Hepatitis B Impfung, am Mittwoch wird es ein Health Check up geben und das zweite Schulgebäude ist endlich komplett fertig. Mira und ich haben jetzt für die letzten sechs Wochen (ja, die Zeit vergeht wie im Flug!) noch einen Lehrplan erstellt, um nochmal zu checken, was die Kinder jetzt eigentlich gelernt haben im Laufe des Jahres und um gegebenenfalls nochmal zu wiederholen.
Zwischendurch sind wir zu viert mit Tapas noch für zwei Tage in die Sunderbans, das Gebiet der Mangrovenwälder des Gangesdeltas, ca. 4 Stunden entfernt von Mankundu, gefahren, um die Projekte zu besichtigen, die Human Wave dort betreibt. So hatten wir jetzt einen Einblick in fast alle Aktivitäten von Human Wave, aber auch wegen der schönen Natur dieser Gegend hat es sich gelohnt. In den tieferen Wäldern der Sunderbans, wo wir aber nicht waren, soll es auch den bengalischen Tiger geben, dem angeblich jedes Jahr zehn Menschen zum Opfer fallen.
Als Ausgleich neben der Arbeit gehe ich schon seit einer ganzen Weile ab und zu Fußball spielen mit ein paar Jungs aus Mankundu. Da mir Fußball aber nicht so liegt und meine eigentliche Leidenschaft Volleyball ist, bin ich neulich mit einem Kumpel zu einem Volleyballclub in der Nachbarstadt gefahren, um da mal anzufragen. Im Zug und anderen dicht gedrängten Orten bin ich es normalerweise gewohnt, über die meisten Menschen hinüberschauen zu können, doch hier standen plötzlich etliche stolze zwei Meter Recken vor mir. Als ich dann erfuhr, dass der Eine wohl sogar schon einmal von der indischen Nationalmannschaft eingeladen wurde, werde ich wohl doch eher als Freizeitspieler beim Fußball bleiben…

Herzliche Grüße!
Hannes

Freitag, 16. Mai 2014

Hitzefrei!

 

Der Mai ist wohl der heißeste Monat im Jahr in Westbengalen und das spiegelt sich gerade in Temperaturen von knapp über 40 Grad am Tag wieder. Zusätzlich ist einfach noch richtig schwül hier in der Region, was jede Bewegung zu einem Kraftakt macht. Dass ich viel schwitze, damit habe ich mich aber einfach schon abgefunden. Dadurch, dass sich das Haus am Tag über so aufheizt, bin ich zwischendurch mal auf unser Flachdach zum Schlafen umgezogen, bis mich jetzt schon zweimal Regen wieder herunter gejagt hat. Ansonsten schläft es sich dort total gut, auch wenn es immer noch 28 Grad in der Nacht sind.
Im Tutorial gibt es wegen der Hitze ab Montag zwei Wochen Sommerferien und auch die staatliche Schule hat zu. Da wir in dieser Zeit wohl wenig bis gar nichts zu tun haben werden, planen wir, noch einmal weg zu fahren.
Morgen gibt es jedoch erst einmal die zweite Hepatitis B Impfung für die Kinder, ehe sie in die verdienten Ferien starten können!

Sonnige Grüße!
Hannes

Bett mit Sternenhimmel

Mittwoch, 30. April 2014

Neues Schulgebäude!

 

Um euch mal wieder mit Neuigkeiten aus dem Tutorial zu versorgen, kann ich sagen, dass momentan das zweite Schulgebäude „renoviert“ oder eher eigentlich komplett abgerissen und neu gebaut wird. Vorher nur mit Bambuswänden entsteht jetzt ein Gebäude aus Stein, genau wie das erste Schulgebäude. Das freut mich auf jeden Fall, so kann man es doch auch als Zeichen dafür nehmen, dass sich das Tutorial in Lalkuthi etabliert hat und angenommen wird.
Vor etwa drei Wochen fand in Lalkuthi übrigens ein Hepatatis B Health Camp statt, d.h. es wurden etwa 40 Kinder zum ersten Mal gegen Hepatitis B geimpft. Wir haben dazu vorher die Daten von allen Menschen in Lalkuthi aufgenommen und gefragt, wer gerne eine Impfung gegen einen kleinen Eigenbeitrag erhalten möchte. Auch wenn einige Kinder das bestimmt nicht gerne hören wollen, muss für eine vollständige Immunisierung noch zwei weiter Male geimpft werden. Die meisten der Kinder waren allerdings wirklich sehr tapfer und wurden von uns mit einem Toffee danach beglückt, sodass das Lachen auch gleich wieder zurückkam.

Gestern fanden übrigens Wahlen in unserem District statt. Deshalb ist momentan ganz Mankundu voll mit Wahlwerbung in Form von Fahnen und bemalten Wänden.
In diesem Sinne: einen schönen ersten Mai! ;)

Hannes


Völker hört die Signale...

Donnerstag, 3. April 2014

Kolkata!

 

Ungefähr eine Stunde mit dem Lokalzug entfernt von Mankundu liegt Kolkata, die riesige Stadt in dessen Umland mehr als 14 Millionen Menschen leben. Da ich dort auch gerne mal Zeit verbringe, hab ich mich entschlossen, mal einen kleinen Eintrag über diese Stadt zu schreiben.
Wenn ich mit dem Zug in Howrah, einem großen Bahnhof, ankomme, muss ich zunächst den Hooghly, einem Mündungsarm des Ganges überqueren, um in die Innenstadt Kolkatas zu gelangen. Neben der Howrah Bridge, der angeblich meistbenutzte Brücke der Welt, wähle ich immer wieder gerne dafür die Fähre, welche entspannt und ohne Stau über den Fluss schippert und einem dabei der Wind um die Ohren geblasen wird. Kolkata selbst hat einfach unglaublich viele Plätze, wovon ich erst einen Bruchteil gesehen habe.
Zum einem gibt es da BBD Bag, quasi das Regierungsviertel, wo das Writers‘  Building liegt, der Sitz der westbengalischen Regierung. Auch das G.P.O (die Hauptpost) und die breit angelegten Straßen, lassen schnell vermuten, dass diese Gegend stark von der britischen Kolonialherrschaft geprägt wurde.
Relativ nah kommt dann der New Market, eine große Markthalle, wo man von Kleidung, Gemüse, Postkarten, Fleisch, Spielzeug ziemlich viel bekommt. In dieser Gegend um die Sudder - und Park Street trifft man auch häufig mal den ein oder anderen Touristen und es haben sich einige Hotels angesiedelt. In der Park Street gibt es neben zahlreichem Fast Food, einem großem Buchladen auch noch einige Bars, die wir schon einige male besucht haben. In einem Lokal gibt es scheinbar jeden Abend Jazz von einem Altsaxofonisten und einem Pianisten. Als ich das entdeckt habe, war ich erstmal ziemlich begeistert und habe mir auch den einen oder anderen Standard gewünscht. Absolut einer meiner Lieblingsplätze in Kolkata ;).
In dem Viertel um den Lalbasar, gibt es zahlreiche Instrumentenläden wo auch z.B. auch Sitars und Tablas hergestellt werden. Kolkata scheint auch bekannt für seinen Instrumentenbau zu sein.
Mitten in Kolkatas Innenstadt erstreckt sich der Maidan, eine große Parkanlage bzw. Rasenfläche, wo über den Tag des Öfteren Cricket gespielt wird. Cricket ist wohl der populärste Sport in Indien und auch Kolkata hat ein riesiges Stadion, das 100.000 Zuschauer fassende Ranji Stadium. Als Heimspielstätte der Kolkata Knight Riders war es eigentlich mal unser Plan mit unserem Gastbruder ein Spiel zu besuchen, doch leider gab es in der letzten Saison wohl einen riesigen Korruptionsskandal, sodass dieses Jahr kein Spiel dort ausgetragen wird. Sehr schade.
Eine der Hauptattraktionen von Kolkata ist das Victoria Memorial, welches am Maidan liegt. Dabei handelt es sich um ein ziemlich nutzloses Gebäude zu Ehren der Königin Victoria, um dem britischen Empire ein Denkmal zu setzen. Es ist eines der wenigen kolonialistischen Gebäude in Kolkata, die bisher noch nicht umbenannt worden sind. Jetzt beherbergt der Prunkbau ein Museum und der angeschlossene Park wird von zahlreichen Leuten zum Entspannen benutzt.
Einiges weiter südlich befindet sich dann Kalighat, ein bedeutungsvoller hinduistischer Tempel, welcher der Göttin Kali geweiht ist.
Auf der anderen Uferseite des Hooghly  gibt es einen Botanischen Garten, den Mira, Niels und ich ungefähr vor zwei Wochen mal besucht haben. Dort gibt es einen Banyantree, ein riesiger Baum, der auf den ersten Blick wie ein Wald aussieht. Vom seinen Ästen aus wachsen nämlich immer neue Wurzeln in den Boden und da sein Hauptstamm auch noch irgendwann einmal einem Sturm zu Opfer gefallen ist, sieht man einfach kein Anfang und kein Ende. Im Park an sich ist es auch wunderbar ruhig in einer hektischen Großstadt. Deshalb bin ich nach einem Ausflug auch immer wieder froh im harmonischen Mankundu zu sein :)!

Herzliche Grüße!

Hannes

Banyantree
Victoria Memorial
Wer Bücher kaufen will geht zur Collegestreet
Ranji Stadium
Die Staatsmacht
Street Food
Writers' Building

Samstag, 1. März 2014

Halbzeit!

 

Ziemlich genau vor zwei Wochen war nun das unspektakuläre Ereignis, was mich gleichzeitig schon mal zurückblicken als auch vorrausschauen ließ. Die genaue Halbzeit meines Aufenthalts hier, das bedeutet fünfeihalb Monate in Mankundu. Um ehrlich zu sein hat mich das beim längeren drüber nachdenken richtig traurig gemacht, wenn ich bedenke, was ich hier gern noch alles machen würde bzw. wen ich gerne noch besser kennenlernen würde. Auf der anderen Seite habe ich bisher eine schöne und erfahrungsreiche Zeit verbracht und kann mich auf die zweite Halbzeit freuen. Außerdem sind immer noch ca. fünf Monate Zeit bis zu meiner Rückkehr, also warum darüber jetzt schon den Kopf zerbrechen?

Themenwechsel:
Als wir neulich irgendwann nichts ahnend an unserem Esstisch saßen, entspannt in Bücher versunken waren, hörten wir jemand hurtig die Treppe vom Dach runterlaufen und erwarteten Tunka. Plötzlich kam ein ziemlich großer Affe stolz um die Ecke marschiert, blieb vor unserem Tisch stehen und schaute uns überrascht zu. Mit einmal schnellte sein langer Arm hervor, stahl eine geschlossene Toastpackung von unserem Tisch, spurtete die Treppe hoch und verschwand auf dem Dach.
Nachdem wir in schallendes Gelächter ausgebrochen waren, rannten wir hinterher nach oben und sahen den Dieb unerreichbar für uns auf dem höchsten Punkt des Hauses genüsslich seine Beute verspeisen. Tja, wer teilt nicht gern sein Brot :).

Beste Grüße!

Hannes
Guten Appetit!

Freitag, 31. Januar 2014

Schaukeln und gesunde Zähne.

 

Zeit mal wieder etwas zu berichten.
Am 5. Januar fand wohl das Großereignis von Human Wave in jedem Jahr statt – die Annual Cultural Function. Das ist quasi ein großes Fest, wo alle Tutorials mit Beiträgen der Dancing Class, Drama Class oder auch Brotochary vertreten sind. Dabei geht es weniger um die Qualität der Beiträge, als das möglichst viele Kinder beteiligt sind und auf der großen Bühne stehen können. Das gibt natürlich ordentlich Selbstbewusstsein für Eltern und SchülerInnen. Ich glaube für alle Beteiligten ist diese Veranstaltung ein absolutes Highlight und das freut mich natürlich besonders für die Kinder. Ich war wirklich erstaunt wie gut und selbstbewusst die Meisten aufgetreten sind, speziell die Drama Class und die älteren Tänzerinnen haben unglaublich viel Spaß und Freude an ihrem Tun ausgestrahlt.
Zusätzlich wurden noch aus jedem Tutorial diverse Kinder für z.B. regelmäßiges Kommen oder gute Leistungen ausgezeichnet und konnten stolz unter den Augen ihrer Eltern einen Preis in Empfang nehmen.
Wir Freiwilligen leisteten auch einen Beitrag und sangen gemeinsam mit unserer Gesangslehrerin den Song „Anananda Loke“ vom bengalischen Nobelpreispoeten Rabindranath Tagore. Im Übrigen sind wir jetzt noch zwei Leute mehr geworden bei unserer netten Gastfamilie. Jakob und Chanel aus den U.S.A werden hier auch einige Monate verweilen, um Freiwilligenarbeit zu leisten und die Beiden haben auch gleich mal mitgesungen.

Im Tutorial hat mit dem Jahreswechsel auch das neue Schuljahr angefangen, sodass jetzt alle eine Klasse höher sind. Nach wie vor macht es mir Spaß zu unterrichten, was vor allen Dingen an den lieben Kindern liegt.
Als wir am Anfang des Jahres von Niels Eltern kurz Besuch hatten, brachten diese doch glatt 140 Zahnbürsten für die Tutorials Lalkuthi und Ardashanagore mit, sodass wir ein Oral Health Camp organisierten. Dafür kam einen Morgen ein Zahnarzt ins Tutorial und erklärte den aufmerksamen SchülerInnen, wie und warum man Zähne putzt. Am Ende bekam jedes Kind eine Zahnbürste und es gab ein gemeinsames großes Putzen. Das war wirklich eine gute und gelungene Aktion denke ich, teilweise hatten die Kinder nämlich vorher keine Zahnbürste, da dafür in den Familien wohl nicht so die Notwendigkeit gesehen wurde.
Am 25. Januar gab es dann wohl ein weiteres Highlight für die Kinder in Lalkuthi: der Exposure Visit. Das ist quasi der alljährliche Wandertag, dieses Jahr in den etwa eine Stunde entfernten Maliya Park, eine Art Freizeitpark mit Spielplatz usw.. Schon als wir früh ankamen waren die Kinder teilweise total aufgeregt und hatten sich extra schick gemacht für diesen besonderen Anlass. Wir fuhren dann zu dreißigst auf der Ladefläche eines Kleintransporters, was für uns genauso aufregend war wie für die Kinder. Das Human Wave Banner hatten wir vor die Motorhaube gespannt und in Kombination mit der kreischenden Meute zogen wir wirklich alle Blicke am Straßenrand auf uns, was wohl die beste Werbung für Human Wave überhaupt ist. Angekommen, spielten und tobten alle etwa 5 Stunden in diesem Park, es gab Eis und vor der Abfahrt auch noch Mittagessen. Irgendwie war nahezu kein Kind in der Lage sich selber auf der Schaukel anzuschubsen, was bei mir fast zu Muskelkater am nächsten Tag geführt hätte. Fast eine Stunde am Stück kann da schon verdammt anstrengend werden :). Auf der Rückfahrt waren alle dann so ausgepowert und müde, dass einige SchülerInnen sogar trotz der holprigen Fahrt eingeschlafen sind. Insgesamt ein wunderbarer Tag für alle Anwesenden.
Im Februar steht dann schon wieder das nächste Ereignis im Tutorial an: Saraswati Puja. Saraswati ist die Göttin der Bildung und wird deshalb in den meisten Schulen an diesem Tag gefeiert.
Soweit erstmal wieder die besten Neuigkeiten aus Mankundu.
Sonnige Grüße mit milden 23°C tagsüber im kältesten Monat des Jahres!

Hannes

„Wo man singt, da laß' dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder."
 - Johann Gottfried Seume -

Zähneputzen

... selbst für harte Jungs mal gut!

auf geht's zum Maliya Park!

Montag, 6. Januar 2014

Eine große Reise.

 

Nun bin ich schon wieder fast eine Woche zurück und es ist inzwischen schon wieder so viel passiert, dass es mir schwer fällt, etwas über unsere große Reise zu berichten.
Wir haben viele Plätze gesehen, Eindrücke bekommen, Fotos gemacht und Menschen kennengelernt. Wenn man drei Wochen aus seinem Rucksack lebt, freut es mich aber auch wieder sesshaft im so vertrauten Mankundu zu werden. Fast ausschließlich sind wir in touristisch frequentierten Orten gewesen und die prasselnden Eindrücke drücken sich in einer Dauermüdigkeit aus.
In Erinnerung bleiben wird mir Vieles, was haben wir erlebt?:
Zunächst waren wir im Bundesstaat Rajasthan und schaute uns dort diverse Städte an.
Eklig und zugleich faszinierend ist der so genannte Rattentempel in Bikaner, einer Stadt in Rajasthan. Dort gibt es eine Legende, wonach irgendein Gott oder ein Mensch in der Inkarnation einer Ratte zu diesem Ort zurückkehren wird, weshalb alle Ratten, die in diesem Tempel leben, gefüttert werden. Während wir da so barfuß zwischen den Tierchen herumpatschten, sahen wir sogar eine der seltenen weißen Ratten, was angeblich Glück bringen soll. Mal sehen wie lange es anhält :).
Besonders gefallen hat mir Udaipur, eine Stadt zwischen Bergen am See. Dort gibt es das berühmte, schwimmende Lake Palace Hotel, wo auch schon ein James Bond Film gedreht wurde, der gefühlt in jedem zweiten Lokal für die zahlreichen Touristen gezeigt wird. Generell hatte ich den Eindruck, dass zumindest in den großen Städten Rajasthans viele Menschen vom dem starken Tourismus leben und sich vielleicht auch deshalb eine größere Mittelschicht in den Orten gebildet hat. Aufgefallen sind mir nämlich z.B. viele Privatwagen, die man in der Umgebung Mankundus nur selten erblickt. Aber eigentlich steht mir nach einem nur zweiwöchigen Aufenthalt da überhaupt kein Urteil zu.
Zu Weihnachten sind wir dann nach Delhi gefahren, eigentlich mit dem Plan, zu einem Gottesdienst von einem deutschen Pfarrer dort zu gehen, den wir zuvor in Kolkata einmal kennengelernt hatten. Leider wurde daraus wegen unserer Zugverspätung nichts. Dafür haben wir dann Heiligabend mit Niels Eltern verbracht, die jetzt zu dieser Zeit auch nach Indien gekommen waren. Wir sangen gemeinsam Weihnachtslieder, es gab mitgebrachte Stolle und sogar eine Bescherung. Das war sehr schön.
Nach den Weihnachtsfeiertagen sind wir noch für einen Tag nach Agra gefahren, natürlich auch um das Taj Mahal zu sehen. Ja, man brauch eigentlich nur „Indien“ zu googeln, um dessen Schönheit bewundern zu können, aber ich kann euch sagen, dass man erst live erkennt, warum es das meistfotografierteste Gebäude der Welt ist :). Die Geschichten und der Größenwahn, die mit diesem Mausoleum zusammenhängen, bringen mich immer wieder zum zynischen schmunzeln. Errichtet für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal, gilt dieses Prunkwerk als Zeichen für unvergängliche Liebe, obwohl er noch 72 weitere Gattinnen hatte! Weiterhin ließ er im Wahn nach perfekter Symmetrie und damit Schönheit, eine Moschee, welche sich daneben befand, auf der anderen Seite genauso abbilden. Da diese aber nun nicht nach Mekka zeigt, kann sie nicht als solche genutzt werden und steht seitdem einfach nur so rum.
Auf dem Rückweg nach Kolkata machten wir dann noch einen Stopp in Varanasi, der heiligsten Stadt für Hindus. Zu dieser Stadt am Ganges mit ihren zahlreichen Ghats und Tempeln pilgern jährlich viele Menschen, nicht zuletzt, um dort zu sterben. Denn wer in Varanasi stirbt und an einem der zahlreichen Ghats verbrannt und in den Ganges geschüttet wird, durchbricht den Kreislauf der Wiedergeburt. Mark Twain beschrieb das besondere Flair der Stadt einmal so:
„Benares ist zweimal so alt wie Geschichte, Überlieferung und Sage zusammengenommen.“

Das nehme ich jetzt einfach mal als Schlusswort :).
Liebe Grüße und frohes neues Jahr!

Euer Hannes

Gut gekaut ist halb verdaut
Sandwüste
neue Freunde
im Rattentempel
Hier wurde "Octopussy" gedreht
Hier wurde "Slumdog Millionair" gedreht
Varanasi

Freitag, 6. Dezember 2013

Das Fest naht...

 

... und wenn es das Klima schon nicht tut, bringt man sich eben selber in Weihnachtsstimmung mit Plätzchen backen und essen. Am Montag beginnen die großen Winterferien und wir Vier werden dann verreisen und das Fest in New Delhi verbringen. Deshalb noch schnell liebe Grüße und:

Fröhliche Weihnachten!

euer Hannes
 

Montag, 11. November 2013

Der Nachmittag.

 

Da die letzten Wochen relativ normaler Unterricht stattfand (was ist schon normal?), hab ich beschlossen in diesem Eintrag mal auf die Nachmittagsveranstaltungen einzugehen, an denen wir jetzt regelmäßig teilnehmen.
Jeden Montag, Mittwoch, Freitag findet in Lalkuthi Brotochary statt. Das ist so eine Art spielerische Kulturvermittlung, wo mit den Kindern hauptsächlich Lieder mit Tanz gesungen oder Spiele gespielt werden. Wir haben dort jetzt schon öfter teilgenommen, auch in Adarshanagore, dem Tutorial, wo Niels und Johanna arbeiten. Das Ganze wird immer von einer älteren Schülerin angeleitet. Wenn wir dort mitmachen hat dies zwar nicht direkt einen Nutzen, zumal wir die bengalischen Lieder größtenteils nicht können, aber wir können auch die Kinder motivieren mitzumachen. Was dabei vermittelt werden soll, nennt Tapas immer „Cultural Skills“, die Human Wave auch als sehr wichtig erachtet, denn so können die Kinder auch den Wert der Bildung erkennen.
Das Zweite ist die Drawing Class, die unsere Vorgängerfreiwilligen glaub ich gestartet haben und wir jetzt wieder aufgegriffen haben. Jeden Dienstagnachmittag fahren Mira und ich dann nach Lalkuthi, wo wir Stifte und Mandalas bzw. Papier zu Verfügung stellen und die Kinder malen können, wenn sie möchten. Niels und Johanna machen das Gleiche auch mittwochs in Adarshanagore, wo ich auch schon manchmal mitgekommen bin.
Am Donnerstag veranstalten wir jetzt auch die ABC – Class, auch eine Idee unserer Vorgänger, wo wir mit denjenigen Schüler/innen, welche das Alphabet noch nicht so richtig beherrschen am Nachmittag nochmal üben. Das ist denke ich echt sinnvoll, da diese Kinder dann auch meistens in ihren Klassen zurückhängen.
Am Samstag findet immer die Dancing Class statt, wo bisher nur spartanisch mal hingehen, da es ja alleine läuft und wir da jetzt nicht so den großen Nutzen bringen.
Am Montag und Freitag haben wir immer noch eine ganz spezielle Class: die German Class. Das bedeutet nur, dass wir unseren Gastgeschwistern Mimi und Tunka Deutsch beibringen, weil sie das gerne lernen würden, da sie beide wahrscheinlich mal nach Deutschland kommen werden. Mimi hatte auch schon mal einen Deutschkurs im Goetheinstitut Kolkata und kann deshalb auch schon ein bisschen was. Jetzt müssen wir uns zukünftig wohl davor hüten, was wir sagen :D.

Daneben waren die letzten Tage auch schon wieder geprägt von zahlreichen Feierlichkeiten. Wer jetzt denkt, eigentlich sind wir hier nur am Feiern, der hat auch gewissermaßen Recht, da jedes Jahr von September bis November die „Festivalsaison“ ist.
Letztes Wochenende war Diwali, das Lichterfest. Dazu wurden dann alle Häuser mit bunten Lichterketten, Kerzen usw. geschmückt, denn über dem hellsten Haus wird Glück herbeikommen. Nachdem vor allen Dingen Samstag auch jede Menge Feuerwerk in die Luft geschossen wurde, war am Sonntagabend dann ein Feuerwerkscontest in Mankundu, wo jeder der möchte mit seiner selbstgebauten Fontäne mitmachen konnte. Die waren dann auch richtig groß, schätzungsweise bis zu 15m. Das sah echt gut aus und in Deutschland könnte man so was wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen schon gar nicht zu Gesicht bekommen :D.
Am Dienstag war dann Bhaiphota, ein Tag, wo die Schwestern ihre Brüder segnen, indem sie einen Punkt auf die Stirn und Reis und Gras auf den Kopf bekommen. Dieser wird auch im Tutorial zelebriert, wo die Kinder sich gegenseitig segnen. Die Begriffe Schwester und Brüder werden da sehr weit gefasst, so bekam ich doch gleich vier Segnungen von vier Balwadikindern, da mehr Mädchen als Jungs anwesend waren. Es gab dann auch noch für alle einen wahren Festschmaus aus Mishti, das sind wirklich sehr süße Süßigkeiten und Kartoffelchips für alle. Zu Hause wurden wie alle vier dann auch nochmal von Ratna gesegnet, was wirklich mit zu viel Mishti verbunden war.
Momentan ist gerade noch Jagahatri Puja, doch davon werde ich später mal berichten!
Liebste Grüße!

Hannes

Drawing Class in Adarshanagore

Bhaiphota in Lalkuthi

Segnung

Diwali

Dienstag, 22. Oktober 2013

Durga Puja und Darjeeling!

 

Die letzten Tage waren wohl die ereignisreichsten bisher!
Zunächst fand die Durga Puja, ein Fest zu Ehren der hinduistischen Göttin Durga, statt. Dazu werden in der ganzen Region so genannte Pandels, das sind Tempel aus Bambusgerüsten, nur für diese paar Tage errichtet und mit einem oftmals viel geschmückten Abbild der Durga versehen. In Kolkata strömen dann tausende Schaulustige, darunter wir, zu diesen Orten, um sie zu besichtigen. Die Straßen sind mit Lichterketten in allen Farben und Leuchtbildern versehen, während Musik aus diversen Lautsprechern ertönt.
Am letzten Tag der Puja werden die Durgastatuen dann in dem Ganges versenkt. Das war für uns allerdings der Tag, wo wir den Abend mit dem Nachtzug nach Darjeeling fahren wollten. Als Niels und ich am Nachmittag nochmal schnell in den Supermarkt fuhren, kamen wir ihn Mankundu an einen dieser Paraden auf dem Weg zum Ganges vorbei. Sofort wurden wir quasi vom Fahrrad gerissen, bekamen den Bindi (Punkt auf die Stirn) und wurden eingeladen zum Tanzen mit den anderen. So gingen wir gut gelaunt ein paar hundert Meter mit, doch leider mussten wir dann umdrehen, um nicht unseren Zug zu verpassen.
Den nächsten Tag kamen wir nach einer mittelmäßigen Nacht im Zug in New Jalpaiguri an, um von dort aus mit dem Jeep nach Darjeeling zu fahren. Was uns wohl als erstes dort auffiel, war die Kälte auf ca. 2000m Höhe. Das war dann doch anders, als wir es aus Mankundu gewohnt sind.
Jeden Morgen bot sich uns in Darjeeling ein besonderes Bild. Ein Blick über die am Hang gelegene Stadt auf den Kangchendzonga, den dritthöchsten Berg der Erde, welcher sich wie ein Koloss über die Wolken hinaustürmt. Vom Tiger Hill aus den Sonnenaufgang über jenen Berg zu beobachten gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen dieser Region und so machten auch wir uns um 3:30(!) mit dem Jeep auf, um dieses farbenfrohe Schauspiel miterleben zu durften. Einen Tag vorher sind wir auch um 2:45 dafür aufgestanden, dann aber bereits an einer verschlossenen Tür gescheitert, aber das ist eine ganz andere Geschichte…
Jedenfalls bot sich uns auf dem Tiger Hill zunächst ein atemberaubendes Bild von einem hell errötenden Himmel, bis plötzlich sich eine dicke Wolke vor den Berg schob! Die wollte sich dann auch während der ganzen Zeit nicht woanders hin bequemen, was die zahlreichen Zuschauer dazu verleitete, bei jedem bisschen Sonne, was man zu Gesicht bekam, in Jubelstürme auszubrechen. Statt Sonnenaufgang über dem Himalaya machten also nun viele Leute Fotos von einer großen Wolke :D. Naja egal, es war dennoch schön und wir wanderten dann etwa 4 Stunden zurück nach Darjeeling.
Definitiv einer unserer Highlights war auf der Speisekarte eines Restaurants, welches uns vom Reiseführer als Backpackertreff angepriesen wurde. BRATKARTOFFELN MIT SPIEGELEI konnten wir dort fett gedruckt in Großbuchstaben lesen und freuten uns mächtig darüber. Tatsächlich trafen wir auch in dem Lokal auf andere Deutsche, sowie Briten, Niederländer …
Im Allgemeinen ist Darjeeling also auch eine sehr touristische Stadt, welche wohl aus zahlreichen Ländern aus Europa und Asien hierher kommen. Insgesamt war der Urlaub also echt schön und auch erholsam, dank der Ruhe und Bergluft in dieser Gegend.
Seit zwei Tagen findet nun also wieder das Tutorial statt, wo ich gerade die 1. Klasse unterrichtet habe. Die Farben klappen jetzt auch schon immer besser.
Sonnige Grüße!

Hannes

Durga Puja an der Gandhi Road in Kolkata
Abbild der Durga in einem der Pandels
Blick auf Darjeeling und den Kangchendzonga
Darjeeling
Tibetische Gebetsfahnen
Sonnenuntergang

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Das schönste Gebäude der Welt …

 

… ist das General Post Office in Kolkata, zumindest wenn es nach der Meinung eines netten Paketbinders geht, mit dem ich mich unterhielt, während seine Kollege ein Paket von Human Wave in Stoff einwickelte, zunähte und dann sogar noch mit rotem Wachs versiegelte. Wir vier Freiwilligen und Kousik, ein Human Wave Mitarbeiter, waren nach Kolkata gefahren, um dieses Paket bei der Post dort abzugeben und nahmen deshalb noch diese interessante Dienstleistung in Anspruch, bei der es wohl darum geht, die Ware möglichst gut zu sichern. Der nette Paketbinder mag wohl seinen Arbeitsplatz und kam dann zu dieser Ansicht, die aber aufgrund des weißen Kuppelbaus auch nicht allzu abwegig erscheint.
Wir wollten dann auch noch bei einem Händler 20 Briefumschläge für 40 Rupien zu kaufen, worauf dieser uns empfahl doch ein Bündel von 50 Stück für nur 85 Rupien zu nehmen. Das Angebot gingen wir ein und Kousik zählte noch einmal die Umschläge nach und konnte nur 42 finden. Das heißt sein Angebot das Bündel zu nehmen, war sogar noch eine Rupie teurer, als der ursprüngliche Preis von zwei Rupien pro Stück. Dann war er natürlich völlig überrascht und holte noch ein vollständiges Bündel. Da hätte er uns fast gehabt, der Trickser :D.
Ansonsten waren wir diesen Tag noch im Ticket Office und kauften uns vier Zugtickets für den Nachtzug, da wir einen fünftägigen Ausflug nach Darjeeling planen. Ja ok, eigentlich sind wir ja noch gar nicht so lange hier, aber der Zeitpunkt bietet sich an, da morgen aufgrund der Durga Puja zweiwöchige Schulferien beginnen und somit auch nicht das Tutorial stattfindet. Am Montag geht es dann los, doch zunächst freuen wir uns erst mal auf die bevorstehende Durga Puja, das größte Fest in der Region.
Im Tutorial läuft es soweit ganz gut. Ich habe in den letzten Tagen Rahul, den Lehrer der 4. Klasse ersetzt, welcher zurzeit auf einer Reise in Kaschmir ist. In der Woche gab es auch einmal ein Lalkuthi – Meeting, wo alle Personen anwesend waren, welche in Lalkuthi arbeiten. So lernten wir auch noch die verbliebenden Leute kennen und nahmen gleich im Anschluss bei der Dancing Class teil. Diesmal tanzten wir sogar mit, worüber sich die Kinder aufgrund unserer offensichtlichen Unfähigkeit köstlich amüsierten. Naja, so hatten alle ihren Spaß und wir lernten gleich mal ein paar Schritte und ihre Bedeutung. Gestern wurde anlässlich der bevorstehenden Puja auch noch einige Kurti’s, Kleider für die Mädchen, verteilt, welche von Human Wave finanziert wurden. Die Schülerinnen haben sich dann natürlich mächtig darüber gefreut und können jetzt gut in die Ferien starten!
Liebe Grüße!

Hannes

Dienstag, 1. Oktober 2013

Wenn der Monsun kommt …

 

… dann sitzt man schon mal einen freien Tag zu Hause rum. Nachdem es heute Morgen heftig regnete und gewitterte, sagte Tapas wir sollen heute nicht zum Tutorial gehen, da ohnehin wenig bis keine Kinder erscheinen werden. Diese Erfahrung haben wir gestern bereits selbst gemacht, da es da auch schon regnete und deshalb nur eine Lehrerin, ca. zehn Kinder sowie Mira und ich da waren. An diesem Tag ließen wir dann nur ein paar Tiere und Gemüse aufmalen und englisch buchstabieren. Am Nachmittag jedoch wurde es schöner und deshalb machten wir den längst geplanten Ausflug mit Mimi, Tunka, Ratna, Chhanda und Jolly, zwei weitere Human Wave Mitarbeiterinnen, zum Hanseswari Tempel in der Nähe von Bendel, eine größere Stadt - sechs Bahnstationen von Mankundu entfernt. Dieser war wirklich sehr schön und zu Ehren der Gottheiten Shiva und Kali.
Die vorherige Woche dagegen war wohl die erste, die relativ routinemäßig ablief, was natürlich nicht unbedingt negativ ist. Am Samstag jedoch gab es dann ein Health Check – Up in Lalkuthi, wo wir alle vier mithalfen. Diese Gesundheitsvorsorge wird regelmäßig von Human Wave organisiert und dabei kommt ein Arzt ins Tutorial und alle Kinder sowie auch einige Erwachsene werden untersucht. Dies ist denke ich eine schöne und sinnvolle Aktion, welche auch von vielen Menschen angenommen wird, soweit ich das beurteilen kann.
In dieser Woche beendete Tunka, unser Gastbruder, erfolgreich seine Examen in der Schule und um dies angemessen zu feiern machten wir am Sonntag Pizza! Dabei hörten wir laut indische und bengalische Musik und hatten jede Menge Spaß. Da wir jedoch nur einen Ofen in der Größe einer Mikrowelle haben, zog sich das Ganze eine Weile hin und wir konnten das Ergebnis nach und nach genießen.
Am morgigen Tag ist Gandhis Geburtstag, was gleichbedeutend mit einem Feiertag ist. Mit dem Tutorial geht es demnach also erst wieder Donnerstag weiter und ich freue mich schon darauf, da mir die Arbeit mit den Kindern momentan sehr viel Spaß bereitet.
So seid herzlich gegrüßt von:

Hannes

Johanna, Niels, Mira, Ich und Mimi (v.l.) beim Hanseswari Tempel
Überschwemmung in Bendel
Pizza!!!

Sonntag, 22. September 2013

Drachen, Peace Day und Biswakarma Puja

 

Wieder ist eine Woche um und ich wende mich zu dir, geschätzter Leser. In dieser Woche waren im Tutorial relativ wenige Kinder da, was an Biswakarma Puja lag, dem Fest zu Ehren des Gottes Biswakarma. Was uns zunächst als relativ kleine Puja (Fest) von Tapas dargestellt wurde und auch nur einen einzigen freien Tag, den Dienstag, mit sich brachte, entpuppte sich als ein für uns fröhliches, farbenfrohes Fest in Mankundu. Am Dienstagabend selbst, gingen wir mit Tapas zu den Feierlichkeiten, wo wir laute Musik, Gesang, bunte Lichter und das Abbild des geschmückten Biswakarma genossen. Auch wurden wir auf Kaffee und Misti (süßes Gebäck) eingeladen. Die Feierstimmung durchzog dann für uns überraschend noch die ganze Woche, so war am Mittwoch in Lalkuthi laute Musik zu vernehmen und die Teilnahme am Tutorial hielt sich in Grenzen. Das hatte allerdings für uns den Vorteil, einmal intensiv die anwesenden Kinder und ihren Leistungsstand kennenzulernen. Den Nachmittag bastelten wir dann mit Tapas Schnüre an gekaufte Drachen aus Papier und versuchten sie von unserem Dach aus steigen zu lassen. Dies gelang uns allerdings nicht so gut, sodass Tapas Onkel, ein geübter Drachensteiger, uns zur Hilfe kam. Das war wirklich unglaublich spaßig und scheint wohl eine Tradition zu dieser Puja zu sein. So versuchen die unzähligen Drachen am Himmel gegenseitig ihre Schnur zu durchtrennen, sodass der andere abstürzt. Das gelang Tapas Onkel auch zweimal, ehe er sich geschlagen geben musste.
Am Freitagabend vernahmen wir dann, gemütlich in unserem Zimmer sitzend, laute Musik, welche immer näher zu kommen schien. Wir spurteten aufs Dach und sahen im vom Vollmond erleuchteten und unter Sternenhimmel liegenden Mankundu eine näherkommende Parade. Wir machten uns auf den Weg zur Straßenkreuzung und sahen das große Abbild von Biswakarma an uns und vielen weiteren Schaulustigen vorbeiziehen. Dazu ertönte livegespielte Musik aus großen Lautsprechern und schien in der Ferne von der Dunkelheit verschluckt zu werden. Dieser Moment war wirklich schön und gibt uns einen Vorgeschmack auf die im Oktober stattfindende Durga Puja, das bedeutendste Fest in West-Bengalen.
Diesen Samstag dann war der internationale Weltfriedenstag (Peace Day), zu dessen Anlass Human Wave und der SCI India beziehungsweise Lokalgruppe Westbengalen ein Meeting veranstaltete. Uns wurde die Ehre zuteil, neben den anderen Programmpunkten, eine kleine Rede zu halten, die wir vorher erarbeitet hatten. Dieses von Tapas geleitete Treffen war wirklich sehr angenehm und endete in eine Diskussion über Frieden. Wir kamen hinterher auch noch mit einer Vertreterin von SCI Westbengalen ins Gespräch, welche schon einmal am Incoming – Programm des SCI Deutschland teilgenommen hat und deshalb schon mal für vier Wochen in Deutschland war. Immer wieder schön zu hören, dass der SCI auch ein entsprechendes Reverse – Programm organisiert und es so einen Austausch in beide Richtungen gibt.
So sitze ich an unserem freien Sonntag unter dem Ventilator und sende liebe Grüße!

Hannes

                                                                  Biswakarma Puja


                                                                   Drachen steigen


                          Drachen am Himmel (nein, dass ist nicht nur Dreck am Bildschirm :D)

Montag, 16. September 2013

Nomoshkar!

Wir schreiben Sonntag den 15.09.2013 um 19:28 nach indischer Zeit und die erste Woche innerhalb des Tutorials liegt hinter mir und den anderen drei Freiwilligen. Wie angekündigt, schreibe ich in diesem Beitrag etwas über unseren Tagesablauf und Human Wave, der gemeinnützigen NGO, für die wir arbeiten.
Der Tag für uns vier Freiwillige beginnt mit einem Weckerklingeln um bereits 5:45. Nach dem morgendlichen Cha verlassen Mira und ich das Haus, um mit dem Zug eine Station nach Badreshwar zu fahren. Dort befindet sich Lalkuthi, der Ort indem wir zwei für die kommenden Monate hauptsächlich arbeiten werden. Das Tutorial Lalkuthi von Human Wave dient dazu, um die Kinder neben der staatlichen Schule zu fördern, bzw. Nachhilfe zu geben und die Gemeinschaft der Bewohner zu stärken. Jeder Morgen beginnt mit dem Ausfegen des Schulgebäudes und damit, dass wir die Kinder mit einer Klingel in die Schule locken (die Klingel wird dabei natürlich gern von schon anwesenden Schülern bedient, sodass ich immer mal wieder versprechen muss: "Morgen kommst du dran" :D ). Nachdem großen gemeinsamen Hände waschen und Zähne putzen, wird erstmal der "Good-Morning-Song" und die indische Nationalhymne gesungen, ehe der Unterricht wirklich losgeht. Das Tutorial geht von Balwadi, eine Art Vorschule, bis zur 7. Klasse. Die Kinder sitzen bei ihrer jeweiligen Klasse zusammen mit einem Lehrer auf Matten, die wir vorher ausgebreitet haben. Diese Woche haben sich Mira und ich jeden Tag zu verschiedenen Klassen gesetzt, um erst einmal die Kinder und Lehrer kennenzulernen. In Zukunft müssen wir überlegen, ob wir nicht eine Klasse gemeinsam komplett übernehmen, oder uns jeweils einige Schüler aus den Klassen herausnehmen und diese gesondert unterrichten. Was uns nämlich aufgefallen ist, dass der Leistungsunterschied teilweise wirklich sehr groß ist. Nach etwa 1,5 Stunden um 9:15 endet der Unterricht, da die Kinder ja teilweise auch noch in eine staatliche Schule gehen. Mira und Ich fahren dann mit dem Zug wieder zurück und treffen auf Johanna und Niels, welche in dem anderen Tutorial in Ardashanagore arbeiten.
Eine weitere Aufgabe für uns ist dann das Verwalten des Mikrokreditprogramms von Human Wave, was im Prinzip wie eine Bank funktioniert und die Leute Kredite aufnehmen oder Sparen können. Dabei erzielt Human Wave nicht wirklich einen Gewinn. Wir tippen dafür jeden Tag die eingezahlten Beträge im Büro von Human Wave in den Computer ein.
Am Nachmittag werden wir in Zukunft noch einmal zu den jeweiligen Tutorials fahren, um die anderen Angebote zu unterstützen. So gibt es hier z.B. Brotochary (spielerische Kulturvermittlung), eine Dancing Class, Sport Class, Drawing Class ...
Bisher haben wir es, außer einmal Dancing Class, noch nicht wirklich geschafft, daran teilzunehmen, da wir noch einige formelle Sachen, wie z.B. unsere Registration hier in Indien zu erledigen hatten.
So wird in Zukunft wohl unser Tagesablauf aussehen. Das Tutorial findet von Montag bis Samstag statt, sodass wir den Sonntag immer frei haben.

Was passiert sonst so?:
Jeden zweiten Tag nehmen wir im Moment Bengali - Unterricht (die Amtssprache von West - Bengalen), um uns in Zukunft besser verständigen zu können. Auch wenn uns der Satzbau noch etwas schwer fällt, merken wir schon deutliche Fortschritte und können auf die Frage, ob wir denn Bengali sprechen, mit "ôlpo - ôlpo" (wenig) antworten.
Für den Sonntagabend haben wir beschlossen die gute alte Tradition des Tatorts beizubehalten, da Mira einige DVD's der Kommissare Börne und Thiel mitgebracht hat :D.

Liebe Grüße!

Hannes 

Dienstag, 10. September 2013

Mehr als angekommen ...

Hallo geehrter Blogleser, ich melde mich nun aus unserer kleinen Freiwilligen - WG inmitten des idyllischen Mankundus und kann sagen, dass es mir, und da spreche ich sicherlich auch für die anderen drei Freiwilligen - Johanna, Niels und Mira, äußerst gut geht.
Wir sind jetzt mittlerweile schon beinahe eine ganze Woche hier und fühlen uns sehr wohl. Großen Anteil daran hat unsere Gastfamilie bestehend aus Tapas und Ratna unseren Gasteltern sowie Mimi unsere Gastschwester und Tunka unseren Gastbruder, welche uns wirklich sehr herzlich empfangen haben.
In den ersten Tagen kümmerten wir uns mit Tapas um einige Formalien, erkundeten Mankundu, gingen in der Nachbarstadt Chandannagar um einen Spaziergang am Ganges zu machen und Tapas Schwester zu besuchen. Am Samstag machten wir zusammen mit Ratna und Mimi einen Ausflug mit dem Zug nach Kolkata, der 14 Millionen Einwohner Metropole. Die Zugfahrt dauerte etwa eine Stunde. In Kolkata selbst konnte ich noch nicht annähernd ein Überblick gewinnen über diese gewaltige Stadt.
Weiterhin besuchten wir die Tutorials in Lalkuthi und Ardashanagore, wo wir demnächst zur Unterstüzung arbeiten werden. Dort wurden wir jeweils sehr herzlich mit Blumenketten von Kindern und Lehrern empfangen, obwohl wir bisher noch nichts gemacht haben oder uns sonst irgendwie qualifizieren. Im Rahmen des jährlich stattfindenen Teacher's Day wurde auch noch ein buntes Programm aus Sketchen, Tänzen und Zitaten durch die Kinder aufgeführt und die Lehrer für ihr Engagement geehrt.
Seit nun drei Tagen gehen Mira und Ich regelmäßig ins Tutorial nach Lalkuthi und unterstützen den Unterricht. Wie das genau aussieht und was das Tutorial genau ist, dazu später mehr.

 Der Blick von der Dachterasse unseres Hauses bei Regen

 Johanna, Ich, Niels und Mira (von links)


Liebe Grüße aus dem zur Zeit noch etwas verregneten Mankundu!
Hannes

Sonntag, 1. September 2013

Und los geht's ...

 

Morgen kommt nun der Tag, den ich immer für weit entfernt gehalten habe. Der Tag des Abfluges. Momentan ist meine Gefühlslage irgendwas zwischen euphorisch und angespannt und mir kommt es so vor, als komme der Aufbruch etwas überstürzt. Der Koffer ist jedenfalls gepackt und ich denke auf mich wartet ein Jahr voller Überraschungen sowie positiver und negativer Erfahrungen!

Herzliche Grüße und bleibt gesund!
Hannes

Dienstag, 27. August 2013

Noch sechsmal schlafen ...


In etwas weniger als einer Woche geht es nun los. Visum, Impfungen ist alles erledigt, sodass ich demnächst anfangen kann mein Zeug zusammenzupacken. Ich bin natürlich jetzt schon mächtig aufgeregt auf das, was mich erwarten wird.
Durch regen Kontakt zu den bisherigen Freiwilligen in Mankundu, hab ich schon jede Menge erfahren über das Projekt und Begebenheiten vor Ort. Vielen Dank dafür!
Generell habe ich bisher die enstpannte Atmosphäre beim SCI sehr genossen und fühle mich schon ein wenig wie ein SCI'ler :). Unser Vorbereitungsseminar war unglaublich spassig und interessant. Neben organisatorischen Dingen haben wir auch viel über Rassismus, Kritik am Freiwilligendienst/ dem "weltwärts" - Programm gesprochen und welche Rolle wir dabei als Freiwillige einnehmen. Ich denke, dass war wichtig und auch nötig.
Nun gilt mein Dank all denen Leuten, die diesen Freiwilligendienst überhaupt möglich gemacht haben:

Familie Schwartz
Frau Martina Gregor-Ness
Frau Dr. Martina Münch
Familie Silke und Wolfgang Müller
Frau Dr. Martina Gurk
Lionsclub Cottbus - Lausitz
Herr Axel Müller
Frau Kerstin Weide
Familie Bönisch
Familie Kilian
Klosterkirchengemeinde Cottbus

und natürlich meiner Familie sowie dem SCI, den Teamern und ehemaligen Freiwilligen für tolle Seminare und die Beantwortung unzähliger Fragen!


Liebe Grüße!
Hannes