Montag, 6. Januar 2014

Eine große Reise.

 

Nun bin ich schon wieder fast eine Woche zurück und es ist inzwischen schon wieder so viel passiert, dass es mir schwer fällt, etwas über unsere große Reise zu berichten.
Wir haben viele Plätze gesehen, Eindrücke bekommen, Fotos gemacht und Menschen kennengelernt. Wenn man drei Wochen aus seinem Rucksack lebt, freut es mich aber auch wieder sesshaft im so vertrauten Mankundu zu werden. Fast ausschließlich sind wir in touristisch frequentierten Orten gewesen und die prasselnden Eindrücke drücken sich in einer Dauermüdigkeit aus.
In Erinnerung bleiben wird mir Vieles, was haben wir erlebt?:
Zunächst waren wir im Bundesstaat Rajasthan und schaute uns dort diverse Städte an.
Eklig und zugleich faszinierend ist der so genannte Rattentempel in Bikaner, einer Stadt in Rajasthan. Dort gibt es eine Legende, wonach irgendein Gott oder ein Mensch in der Inkarnation einer Ratte zu diesem Ort zurückkehren wird, weshalb alle Ratten, die in diesem Tempel leben, gefüttert werden. Während wir da so barfuß zwischen den Tierchen herumpatschten, sahen wir sogar eine der seltenen weißen Ratten, was angeblich Glück bringen soll. Mal sehen wie lange es anhält :).
Besonders gefallen hat mir Udaipur, eine Stadt zwischen Bergen am See. Dort gibt es das berühmte, schwimmende Lake Palace Hotel, wo auch schon ein James Bond Film gedreht wurde, der gefühlt in jedem zweiten Lokal für die zahlreichen Touristen gezeigt wird. Generell hatte ich den Eindruck, dass zumindest in den großen Städten Rajasthans viele Menschen vom dem starken Tourismus leben und sich vielleicht auch deshalb eine größere Mittelschicht in den Orten gebildet hat. Aufgefallen sind mir nämlich z.B. viele Privatwagen, die man in der Umgebung Mankundus nur selten erblickt. Aber eigentlich steht mir nach einem nur zweiwöchigen Aufenthalt da überhaupt kein Urteil zu.
Zu Weihnachten sind wir dann nach Delhi gefahren, eigentlich mit dem Plan, zu einem Gottesdienst von einem deutschen Pfarrer dort zu gehen, den wir zuvor in Kolkata einmal kennengelernt hatten. Leider wurde daraus wegen unserer Zugverspätung nichts. Dafür haben wir dann Heiligabend mit Niels Eltern verbracht, die jetzt zu dieser Zeit auch nach Indien gekommen waren. Wir sangen gemeinsam Weihnachtslieder, es gab mitgebrachte Stolle und sogar eine Bescherung. Das war sehr schön.
Nach den Weihnachtsfeiertagen sind wir noch für einen Tag nach Agra gefahren, natürlich auch um das Taj Mahal zu sehen. Ja, man brauch eigentlich nur „Indien“ zu googeln, um dessen Schönheit bewundern zu können, aber ich kann euch sagen, dass man erst live erkennt, warum es das meistfotografierteste Gebäude der Welt ist :). Die Geschichten und der Größenwahn, die mit diesem Mausoleum zusammenhängen, bringen mich immer wieder zum zynischen schmunzeln. Errichtet für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal, gilt dieses Prunkwerk als Zeichen für unvergängliche Liebe, obwohl er noch 72 weitere Gattinnen hatte! Weiterhin ließ er im Wahn nach perfekter Symmetrie und damit Schönheit, eine Moschee, welche sich daneben befand, auf der anderen Seite genauso abbilden. Da diese aber nun nicht nach Mekka zeigt, kann sie nicht als solche genutzt werden und steht seitdem einfach nur so rum.
Auf dem Rückweg nach Kolkata machten wir dann noch einen Stopp in Varanasi, der heiligsten Stadt für Hindus. Zu dieser Stadt am Ganges mit ihren zahlreichen Ghats und Tempeln pilgern jährlich viele Menschen, nicht zuletzt, um dort zu sterben. Denn wer in Varanasi stirbt und an einem der zahlreichen Ghats verbrannt und in den Ganges geschüttet wird, durchbricht den Kreislauf der Wiedergeburt. Mark Twain beschrieb das besondere Flair der Stadt einmal so:
„Benares ist zweimal so alt wie Geschichte, Überlieferung und Sage zusammengenommen.“

Das nehme ich jetzt einfach mal als Schlusswort :).
Liebe Grüße und frohes neues Jahr!

Euer Hannes

Gut gekaut ist halb verdaut
Sandwüste
neue Freunde
im Rattentempel
Hier wurde "Octopussy" gedreht
Hier wurde "Slumdog Millionair" gedreht
Varanasi

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